Mandantenbrief Steuer März 2016

6. Für alle Fotovoltaikanlagen-Investoren: Bauabzugsteuer ab 2016 beachten!

Wichtig für alle Fotovoltaikanlagen-Investoren: Bauabzugsteuer ab 2016 beachten!

Eine Fotovoltaikanlage ist nicht nur aus energetischer Sicht interessant, sondern kann auch steuerliche Vorteile bringen. Dazu müssen aber die Spielregeln beachtet werden – und diese haben sich ab 2016 geändert. Zum Hintergrund: Schon seit Jahren müssen Immobilienbesitzer die Regelung rund um die Bauabzugsteuer beachten, wenn sie Bauleistungen beziehen.

Bauabzugsteuer bedeutet dabei, dass 15 Prozent des Brutto-Rechnungsbetrages einzubehalten und an das Finanzamt abzuführen sind. Erfolgt ein solcher Einbehalt nicht, haftet der Immobilienbesitzer gegebenenfalls für den Steuerbetrag. So jedenfalls die grundsätzliche Regelung. Bisher waren Käufer von Fotovoltaikanlagen davon nicht betroffen, da die Installation der
Stromerzeugungsanlage nach der früheren Auffassung der Finanzverwaltung keine Bauleistung war. Dies war so, weil die Fotovoltaikanlagen als Betriebsvorrichtungen angesehen wurde. Aufgrund eines mit den obersten Finanzbehörden des Bundes und der Länder abgestimmten Erlasses des Bayerischen Landesamtes für Steuern vom 16.09.2015 unter dem Aktenzeichen S 2272.1.1-3/8 ST 32 gilt nun jedoch etwas anderes. Nun ist es für die Beurteilung der Frage, inwieweit eine Bauleistung vorliegt, irrelevant, ob das eingebaute Wirtschaftsgut (hier also die Fotovoltaikanlage) als Betriebsvorrichtung oder als Bestandteil des Gebäudes anzusehen ist.

Ganz klar geht das Bayerische Landesamt für Steuern davon aus, dass die Installation einer Fotovoltaikanlage an oder auf einem Gebäude regelmäßig eine Bauleistung im Sinne der Bauabzugsteuer darstellt. Selbst die Aufstellung einer Freiland-Fotovoltaikanlage kann den Bauleistungsbegriff erfüllen. Folglich muss der Leistungsempfänger, sprich der Immobilienbesitzer bzw. der Käufer der Fotovoltaikanlage, den 15-prozentigen Steuereinbehalt vornehmen. So jedenfalls im Grundsatz. Von diesem Grundsatz gibt es aber eine beachtliche Ausnahme, die in der Praxis wahrscheinlich sogar die Regel sein dürfte. Denn der Leistungsempfänger darf von diesem Rechnungseinbehalt absehen, wenn das Fotovoltaikunternehmen ihm eine Freistellungsbescheinigung vorlegt, welche ihm vom zuständigen Finanzamt ausgestellt wurde. Insoweit sollte stets geprüft werden, dass eine gültige Freistellungsbescheinigung vorliegt.

Hinweis

Die Änderung der Auffassung durch den Erlass des Bayerischen Landesamts für Steuern gilt grundsätzlich schon ab dem 16.09.2015. Aber für Fälle bis zum 31.12.2015 wird es nicht beanstandet, wenn ein Abzug der Bauabzugsteuer (also der Einbehalt der 15 Prozent) oder das Anfordern einer Freistellungsbescheinigung unterbleibt. In 2016 sollte jedoch tunlichst auf die Freistellungsbescheinigung geachtet werden.