Mandantenbrief Steuer September 2019

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8. Für alle Ehrenamtler: Zur Berücksichtigung von Verlusten aus einer Übungsleitertätigkeit

Wichtig für alle Ehrenamtler: Zur Berücksichtigung von Verlusten aus einer Übungsleitertätigkeit

Mit einem Urteil des Bundesfinanzhofs stärkt dieser erfreulicherweise das Ehrenamt in der Republik. Aber zunächst zum Hintergrund. Schon vor einiger Zeit hatte der Bundesfinanzhof in München durch seine Entscheidung vom 20.12.2017 unter dem Aktenzeichen 3 R 23/15 geurteilt: Erzielt ein Sporttrainer, der mit Einkünfteerzielungsabsicht tätig ist, steuerfreie Einnahmen unterhalb des sogenannten Übungsleiterfreibetrags nach § 3 Nummer 26 des Einkommensteuergesetzes (EStG), kann er die damit zusammenhängenden Aufwendungen insoweit steuermindernd abziehen, als sie die Einnahmen übersteigen.

Diese positive Entscheidung hat der Bundesfinanzhof erneut bestätigt. Das oberste Finanzgericht der Republik hat mit Urteil vom 20.11.2018 unter dem Aktenzeichen VIII R 17/16 erneut und in Fortführung seiner früheren Rechtsprechung entschieden, dass Verluste aus einer nebenberuflichen Tätigkeit als Übungsleiter auch dann steuerlich berücksichtigt werden können, wenn die Einnahmen den sogenannten Übungsleiterfreibetrag nach § 3 Nr. 26 des Einkommensteuergesetzes in Höhe von 2.400 Euro pro Jahr nicht übersteigen.

Zum Hintergrund des Sachverhaltes: Im Streitfall hatte der Kläger als Übungsleiter Einnahmen in Höhe von 108 Euro erzielt. Dem standen Ausgaben in Höhe von 608,60 Euro gegenüber. Die Differenz von 500,60 Euro machte der Kläger in seiner Einkommensteuererklärung für das Kalenderjahr 2013 als Verlust aus selbstständiger Tätigkeit geltend. Das Finanzamt berücksichtigte den Verlust jedoch nicht und strich die steuermindernde Position. Es vertrat die Auffassung, Betriebsausgaben oder Werbungskosten aus der Tätigkeit als Übungsleiter könnten steuerlich nur dann berücksichtigt werden, wenn sowohl die Einnahmen als auch die Ausgaben den Übungsleiterfreibetrag übersteigen. Das erstinstanzlich angerufene Finanzgericht in Gestalt des Finanzgerichtes Mecklenburg-Vorpommern gab der dagegen erhobenen Klage jedoch mit Urteil vom 16.06.2015 unter dem Aktenzeichen 3 K 2368/14 statt.

Ganz konkret bestätigten die erstinstanzlichen Finanzrichter sogar, dass die Verlustberücksichtigung der den Betrag der Einnahmen übersteigenden Ausgaben nicht durch das Abzugsverbot des § 3c Abs. 1 EStG ausgeschlossen wird.

Der Bundesfinanzhof bestätigte die Auffassung seiner erstinstanzlichen Kollegen, dass ein Übungsleiter, der steuerfreie Einnahmen unterhalb des Übungsleiterfreibetrags erzielt, die damit zusammenhängenden Aufwendungen steuerlich geltend machen kann, soweit sie die Einnahmen übersteigen. Andernfalls würde der vom Gesetzgeber bezweckte Steuervorteil für nebenberufliche Übungsleiter in einen Steuernachteil umschlagen. Dies dürfe nicht geschehen.

Hinweis

Der Bundesfinanzhof hat die Sache allerdings zur nochmaligen Verhandlung und Entscheidung an das erstinstanzliche Finanzgericht zurückverwiesen. Dieses wird im zweiten Rechtsgang prüfen müssen, ob der Kläger die Übungsleitertätigkeit mit der Absicht der Gewinnerzielung ausgeübt hat. Diese Frage stellt sich, weil die Einnahmen des Klägers im Streitjahr nicht einmal annähernd die Ausgaben gedeckt haben. Sollte das Finanzgericht zu der Überzeugung gelangen, dass keine Gewinnerzielungsabsicht vorlag, wären die Verluste steuerlich aufgrund der dann gegebenen Liebhabereiproblematik nicht zu berücksichtigen. Liegt hingegen kein Liebhabereibetrieb vor, müssen die Verluste auch entsprechend berücksichtigt werden.

Ein Freischein ist die positive Entscheidung daher nicht. Die Einkünfteerzielungsabsicht müssen Übungsleiter weiterhin im Blick behalten, damit eine steuermindernde Verlustberücksichtigung funktioniert.